Techno-Ethik

13.11.2018

Bei der Suche nach einer über den Menschen hinausgehenden Ethik muss es zu einer Konzentration der Begriffe (Inhalte) kommen und diese sind in eine Denkrichtung zu leiten. Aus dem Ergebnis müssen einfache (verständliche, anwendbare) Regeln entstehen können. 

Mensch und Umwelt - eine ethische Klammer

Das aus Grundsätzen zum Schutz personenbezogener Daten weiterentwickelte Denken, das sich weltweit in sogenannten data ethics artikuliert, scheint bei einem ausschließlichen Bezug auf das Befinden des Menschen (Menschenrechte) zu eng abgesteckt zu sein. Nicht nur der Einfluss informationstechnischer Systeme auf die Würde des Menschen sollte Gegenstand von Bedenken sein, sondern vielmehr die Beeinträchtigung des Menschen durch ausufernde und nicht mehr nachvollziehbare Entwicklungen von Technologie überhaupt, zumal diese schon weitgehend informationstechnisch basiert oder abhängig ist.

Die technologische Beeinflussung des Menschen vollzieht sich direkt durch Hilfsmittel und indirekt durch Einflussnahme auf seine Umwelt, aus der menschliche  Existenz (immer noch) abgeleitet werden muss. Hieran knüpft sich die zweigeteilte Betrachtung auf eine Behandlung der Umwelt dahingehend, dass aus ihr keine oder möglichst geringe Beeinträchtigungen für den Menschen entstehen und dass dem Innewohnen dieser Umwelt als Ursprung des Menschen der Würde, der Achtung vergleichbare Rechte zustehen oder zugestanden werden.

Folglich ist die technologische Behandlung der Umwelt auch dann zwingend ethisch zu bedenken, wenn eine Rückwirkung auf den Menschen auszuschließen ist.

Anspruch: Ethik - ein universelles Recht

Könnte diesem Anspruch ein universelles Recht entsprechen? Ethik ist zunächst ein Konstrukt des Menschen und somit der jeweiligen Befindlichkeit unterworfen - wandelbar und zweck-bezogen. Die Inhalte von Ethik und Moral werden in Kernthemen Immanuel Kants beschrieben. Auslegung und Verständnis führen zu eben dem Versuch, eine nicht nur auf den Menschen bezogene Ethik aufzurufen. An dieser Stelle muss gegen eine andere Auffassung von Ethik abgegrenzt werden, in der sich der Inhalt von Ethik rückwirkend aus der Befindlichkeit des Menschen als Beobachter von Handlungen ergibt, deren Folgen einen Zweck erfüllt haben.

Hierzu dient ein Beispiel: Eine Atombombe zu bauen und einsatzbereit zu halten ist ethisch nicht bedenklich, erst wenn sie abgeworfen wurde und Leid verursacht hat, wird die ethische Wertung folgen, die auch relativiert ist, weil "der Zweck die Mittel heiligt" (Machiavelli). 

Bei Kant steht der ethische Gedanke vor der Handlung, der Zweck und die Folgen müssen so klar erfasst sein, dass die Handlung ethisch vertretbar ist, und das heißt, sie beruht auf einem guten Willen, auf einer guten Gesinnung, auf selbstgewählter Pflicht, und damit ist bereits das Erdenken einer Handlung, die ein Leiden zur Folge haben kann, unethisch. Was heißt das?

Vernunft und Ethik

Immanuel Kant (1724 - 1804) lebte in einer Welt, die Werte noch sehr stark aus einem Glauben an eine höhere Ordnung definierte. Er grenzte den Menschen entschieden gegen die Welt im Übrigen (insbesondere Pflanzen, Tiere) dadurch ab, dass es nur dem Menschen möglich sei, das Wesen dieser Umwelt wahrzunehmen und durch Auswählen lebensnotwendige Erscheinungen von solchen des Erkennens zu trennen. Damit wird Vernunft begründet, aus der eine Gesamterfahrung der Welt abgeleitet werden kann. Die Sichtweise ist nach wie vor gültig, allerdings liegt heute mehr Gewicht auf der kosmologischen Betrachtung. Danach ist Bewusstsein im Sinne einer universellen Erkenntnis bereits als Eigenschaft des Kosmos angelegt (anthropisches Prinzip). Die Gesamterfahrung der Welt durch bewusstes Leben kann folglich auch anders sein als die dem Menschen zugängliche. Mit diesem Aspekt wird die universelle Anwendung der ethischen Formeln Kants unterstrichen, zumal es für Kant vernünftige Wesen gibt, die alle ethischen Prinzipien folgen wollen.

Letztlich entsteht Ethik aus einer kosmischen Entwicklung, sie existiert nicht an sich, sondern aus der Vernunft, und liegt Handlungen zugrunde, die sich auf alle Erscheinungen beziehen.

Kategorischer Imperativ

Der "Kategorische Imperativ" Kants ist eine Art von universeller Orientierungsregel (Charlie Rutz, Selbstzweckformel*), ein Maßstab für ethische Qualität und besteht aus Formeln mit unterscheidbarer Zielsetzung - das frei bestimmte Handeln zu einem Zweck. Dabei unterliegt das Handeln immer selbst-gesetzten Grenzen (Gesetzen), die der Zweck als Verantwortung aufzeigt. 

So ist die Vernachlässigung der Verantwortung zugunsten einer Bequemlichkeit (Profit) unethisch. 

Kant schreibt den Erscheinungen absolute Werte zu (Menschen haben eine Würde, Sachen können einen inneren Wert haben) und eine Handlung ist unethisch, wenn diese Werte beeinträchtigt werden. Diese Sichtweise kommt in der sogenannten Naturgesetzformel zum Ausdruck.

"Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte."

Fazit:
Ethisches Handeln muss Technologie und Technik-Einsatz einbeziehen: Techno-Ethik.

* Quelle : Charlie Rutz: Immanuel Kants "Selbstzweckformel "